Aus der Praxis für die Praxis: Fachzeitschrift für datenbasierte Unternehmensführu​ng und Controlling

04/25

Editorial 03/25

Alarm an Hochschulen: Veraltete KLR-Lehre mit hoher Insolvenzgefahr für den Anwender ‚Unternehmen‘

Studierende lernen gefährliche Modelle von gestern – und Unternehmen zahlen morgen den Preis. Es ist Zeit für eine radikale Lehrtransformation in der Kosten- und Leistungsrechnung (KLR).

Die traditionelle Kosten- und Leistungsrechnung weist gravierende Schwächen und strukturelle Fehler auf. Sie verfehlt oft die Realität betrieblicher Prozesse und liefert damit für Unternehmen gefährlich ungenaue Entscheidungsgrundlagen – mit potenziell existenzbedrohenden Folgen. Umso wichtiger ist es, dass wir zukünftige Fach- und Führungskräfte bereits in der Ausbildung mit einer modernen, praxisgerechten KLR vertraut machen.


Liebe Leserinnen und Leser,

herzlich willkommen zur dritten Ausgabe unseres Controlling-Papers – Ihrer praxisnahen Fachzeitschrift für modernes Performance-Controlling und effektives Leistungsmanagement!

Ursprünglich wollten wir in dieser Ausgabe aufzeigen, warum ERP-Systeme kein Unternehmenscontrolling ersetzen können – und welche gefährliche Illusion in vielen Unternehmen bis heute damit verbunden ist.

Doch im Zuge unserer redaktionellen Arbeit und zahlreicher Gespräche mit Fachleuten, Beratungen und Wissenschaftlern sind wir auf ein noch grundlegenderes Problem gestoßen.

Ein Thema, das nicht nur die Unternehmenspraxis betrifft, unseren Wirtschafts-standort aktuell massiv gefährdet, sondern die Bildungsbasis kommender Führungsgenerationen‘ die Hochschullehre‘.

In vielen wirtschaftswissenschaftlichen und managementorientierten Fakultäten wird nach wie vor die klassische Kosten- und Leistungsrechnung gelehrt – Vollkostenrechnung, Teilkostenrechnung, Grenzplankostenrechnung.

Methoden, die längst als fachlich überholt, praktisch gefährlich und strategisch, wie auch operativ als sehr riskant gelten.

Und trotzdem: Seit über 50 Jahren werden sie weitgehend unverändert weiter-gegeben. Teils ohne kritische Prüfung, teils aus Tradition – aber selten mit dem Blick auf die heutigen Anforderungen einer globalisierten, datengetriebenen Unternehmensführung.

Diese Realität hat uns alarmiert – und zum Umdenken bewegt. Denn was hilft die beste Reform im Unternehmen, wenn die nächste Generation von Entscheidungsträgern schon im Studium mit Werkzeugen ausgebildet wird, die unternehmerisch ins Abseits führen können?

Die Wahrheit ist unbequem – aber notwendig:

Veraltete KLR-Modelle verzerren die wirtschaftliche Realität, erzeugen falsche Kalkulationssicherheit, verschleiern zentrale Steuerungsgrößen wie Auslastung, Wettbewerbsabstand oder variable Marktlogik und verhindern zwingende Erfolgsfaktoren.

Die Folge ist oft eine gefährliche Illusion von Führungs- und Kostenkontrolle – und in letzter Konsequenz: existenzielle Risiken für Unternehmen, die sich auf diese Zahlen, Analysen und Aussagen verlassen.

Studenten und Promovierende sind unsere Zukunft – und sie verdienen eine moderne Kosten- und Leistungsrechnung (KLR).

Deshalb darf Hochschullehre nicht zur Hypothek werden. Wir fordern eine ehrliche, konstruktive und mutige Auseinandersetzung mit der klassischen KLR.

Und wir fordern ein Umdenken in der Hochschulausbildung – hin zu einem modernen, praxistauglichen, risikoorientierten Verständnis mit fehlerfreien Methoden und IT-Lösungen, das Studierende auf die echten Herausforderungen der heutigen globalen und dynamischen Unternehmenswelt vorbereitet und private Haftungsrisiken mit dem Einsatz der klassischen KLR.

In dieser Ausgabe möchten wir Ihnen fundierte Analysen, Beispiele aus der Praxis, kritische Stimmen – aber auch zukunftsweisende Ansätze vorstellen. Denn der Wandel beginnt mit dem Wissen. Und Wissen beginnt mit Bildung.


Herzlichst, Ihr Hagen Königseder